Heft 10 (2002/1)

Feministische Philosophie

Aus dem InhaltCover Heft 10 2002/1

Interview

mit Ilse Nagelschmidt zur Genderforschung in Leipzig

Haupttext

María Isabel Peña Aguado: Dame und (oder) femme de lettres. Über intellektuelle Frauen und ihre Räume.

Kommentare

von N. Psarros, U. Wessels, F. Fellmann, B. Schmitz und B. Kremberg

Kolumne

P. Stekeler-Weithofer: Die Lust am Ausnahmezustand.

Heft 10 2002 1 Feministische Philosophie


Editorial

Wenn Philosophie diejenige Wissenschaft ist, die auf unsere Begriffe, Theorien und Denkfiguren reflektiert, kann es dann eine spezielle Philosophie für Frauen geben? Wohl kaum. Metastufige, abstrakte Überlegungen sind unabhängig von Glaube, Geschlecht und Nation. Auch würde feministische Philosophie auf kein so breites Interesse stoßen können, wenn darunter lediglich ein ideologisches Programm zu verstehen wäre, Rüstzeug für den Kampf der Geschlechter. Insofern ist die Bezeichnung irreführend. Nach Meinung der meisten Autorinnen und Autoren, die in diesem Heft für PHILOKLES diskutiert haben, sollte diese Philosophie nach ihrem Analysegegenstand, der Geschlechterdifferenz, heißen. Es waren allerdings vorwiegend Frauen, die sich ans Analysieren machten und besonders die Rolle des weiblichen Geschlechts untersuchten. Zu Beginn der Debatte erzählt María Isabel Peña Aguado von den Schwierigkeiten, die Frauen zu allen Zeiten hatten, um sich privaten Freiraum für intellektuelle Betätigung und einen angemessenen  Platz im geistigen Leben der Öffentlichkeit zu erkämpfen. Stets wurden sie dabei mit ihrer Weiblichkeit konfrontiert, in einer Art, wie dies ihren Zeitgenossen in Bezug auf ihre Männlichkeit nicht widerfuhr. Den meisten der Mitdiskutanten reicht dieser Befund nicht aus. Nikos Psarros findet das Verhältnis zwischen Öffentlichem und Privatem nicht genau genug bestimmt. Ulla Wessels vermisst eine Analyse des Begriffs des Weiblichen. Ferdinand Fellmann meint, dass feministische Philosophie nach dem Vorbild der Phänomenologie einen besonderen weiblichen Blick auf die Dinge entwickeln sollte, und stellt wie Bettina Schmitz fest, dass man es sich zu einfach macht, wenn man Männer nur als Täter und Frauen nur als Opfer sieht. Beide Rollen müssen immer aus dem gesellschaftlichen Gesamtgefüge heraus verstanden werden. Bettina Kremberg weist darauf hin, dass Frauen heute formal gleichgestellt sind, und erklärt faktisch noch immer verbreitetes Unterordnungsverhalten von Frauen unter Verweis auf internalisierte Normen. Ergänzt wird das Heft durch ein Interview mit Ilse Nagelschmidt, die aus ihrer Praxis als Frauenforscherin und Gleichstellungsbeauftragter berichtet, durch eine Leseprobe, in der María Isabel Peña Aguado an Christine de Pizans (1364-1430) „Buch von der Stadt der Frauen“ erinnert, und eine Rezension Kristin Wojkes zum Werk der amerikanische Philosophin Judith Butler. Die Kolumne schrieb Pirmin Stekeler-Weithofer. Aus gegebenem Anlass denkt er über unsere seltsame Lust am  Ausnahmezustand nach.

Peter Heuer

Autor: philoklesonline

Onlineauftritt von PHILOKLES. Zeitschrift für populäre Philosophie

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